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Katrin Plavčak – Christian Hutzinger SNIPPET

7. November 2022 @ 19:00 - 25. November 2022 @ 18:00

Einladung zur Ausstellung
Katrin Plavčak – Christian Hutzinger SNIPPET

Ausstellungseröffnung am 7.11.2022 um 19.00 Uhr

Begrüßung: Lisa Spalt (MAERZ)

Zur Ausstellung spricht: Sarah Jonas (Lentos Kunstmuseum Linz)

Öffnungszeiten der Ausstellung:
Ausstellungsdauer: 08. November bis 25. November 2022
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 15.00 –18.00 Uhr

Snippet titeln Katrin Plavčak und Christian Hutzinger ihre gemeinsame Ausstellung hier in der MAERZ. Snippet – das heißt so viel wie Ausschnitt, oder auch Schnipsel und kann in diesem Fall gleich mehrfach gedeutet werden.

Einerseits gibt die Ausstellung einen kleinen Ausschnitt ihres künstlerischen Schaffens der letzten Jahre wieder. Andererseits verweist das Wort auch auf wesentliche Elemente innerhalb ihrer Kunst und ihrer künstlerischen Arbeitsweisen, die auf den ersten Blick doch recht unterschiedlich anmuten. Ich möchte Ihnen die beiden Positionen kurz vorstellen und vielleicht so auch ein paar Gemeinsamkeiten aufzeigen.

In Katrin Plavčaks künstlerischem Universum tummeln sich bekannte Gesichter und Objekte: Ikonen der Popkultur, Menschen aus dem politischen Tagesgeschehen neben Alltagsgegenständen und Schriftzügen – Ausschnitte unseres täglichen Lebens regen Assoziationsketten an. Die Baumstämme des opulenten roten Vorhangs erscheinen mir wie Geistergestalten – ein schwarzer Hund trabt zottelig in den Ausstellungsraum hinein – vielleicht riecht er die Köstlichkeiten, die der illustren Runde fantastischer Persönlichkeiten in der „Phantomspeisung“ vorgesetzt werden?

Wer weiß das schon – doch nicht alles ist so konkret ins Bild gesetzt – sind es genau die abstrakten Momente in ihren Werken, die den Blick schärfen, die uns dazu anregen genauer hinzusehen und dabei ganz wundersame neue Bildzusammenhänge entdecken lassen. Humorvolles findet sich da augenzwinkernd neben ernsten Themen, inspiriert durch das tagespolitische Geschehen. Das alles in einer unverkennbaren Malweise, die durch ihre Unmittelbarkeit eine gewisse Leichtigkeit ausstrahlt und dennoch nicht darüber hinwegtäuscht, dass sie den Blick auf Brennpunkte unserer heutigen Zeit richtet.

So auch in ihren Bildskulpturen, bestehend aus zweiseitig bemalten Holztafeln, die Plavčak mit einer Stichsäge ausschneidet und in einem 90-Grad-Winkel wieder zusammensteckt. Diese räumlichen Steckbilder erobern in ihrer Farbigkeit den Raum, laden ein um sie herumzugehen und sie aus immer neuen Blickwinkel zu erfassen. Dadurch gibt die Künstlerin ihre Autorinnenschaft bis zu einem gewissen Grad aus der Hand, wenn sich uns plötzlich ganz neue visuelle Zusammenhänge aus den collagierten Motiven präsentieren und in einen Dialog treten mit den Werken von Christan Hutzinger. Ein schier nie enden wollender Rezeptionsprozess, vor allem wenn man bedenkt, dass diese Bildskulpturen immer wieder neu zusammengesteckt werden können.

Durch ihre installative Präsentationsweise befreit Katrin Plavčak die Malerei von der Wand und erweitert sie ins Räumliche.

Raum und Malerei stehen auch in Christian Hutzingers Werken in einem produktiven Spannungsfeld. So reagiert er in vielen seiner Arbeiten auf den konkreten Ausstellungsraum, so auch hier und in diesem Fall auf die Künstler*innenvereinigung MAERZ. Ihr allbekanntes Logo findet sich in einigen der präsentierten Arbeiten ausschnitthaft aufgegriffen. Viel Spaß an dieser Stelle beim Suchen! Gleichzeitig auch als großformatige In situ-Wandmalerei im kleinen Raum. Ergänzt mit kleinformatigen Collagen – man bedenke auch hier den Moment des Ausschneidens – braucht es wie bei Plavčaks Bildskulpturen die räumliche Bewegung von uns Besucher*innen, um die Collagen und das Wandbild in einen sich bedingenden und visuell anregenden Dialog zu bringen.

Der Moment des Ausschneidens findet sich auch in Hutzingers Malprozess wieder. In einer Art Baukastenprinzip bringt er ein wiederkehrendes Repertoire formaler Elemente ins Bild. Jede dieser Formen existiert als eigenständiger Kartonausschnitt, der dem Künstler als Schablone dient, bevor er sie dann als meist homogenes Farbfeld auf die Leinwand bringt.

Über die Jahre lassen sich in Hutzingers Werkgruppen Veränderungen in der Anordnung und Auswahl der Bildformen feststellen, wie auch in seinen Arbeiten der letzten Jahre: Während den Bildern zuvor eine gewisse Schwerkraft innewohnte, indem die gemalten Motive am unteren Rand des Malträgers verankert schienen, entlässt er diese nun in den Bildraum. Zum Beispiel in Form von leuchtenden Farbbändern, die sich entlang des Bildrandes ziehen. Oder auch indem er in seinen gehängten Werken nach einer Verbindung in den umliegenden Raum sucht, indem die Bildecken bewusst weiß gelassen werden. Hier ergibt sich wiederum ein Verweis auf seine großformatigen Wandbilder.

Mit der Minmal Art und ihren Idealen der entpersönlichten Kunst im Hinterkopf, erscheinen die Werke von Christian Hutzinger auf den ersten Blick vielleicht nüchtern und kühl. Doch das trifft nicht wirklich zu. Denn auf den zweiten Blick zeigt sich – neben den eben erwähnten konkreten Raumbezügen – ein subjektiv-narrativer Moment hinter jedem Werk: So etwa ein an die Wand gelehntes Bild, das Hutzinger schon 1997 in seiner MAERZ-Ausstellung „müde“ zeigte, damals noch in den Räumlichkeiten am Taubenmarkt. Die Arbeit schlägt in gewisser Weise eine Brücke von den gehängten Malereien hin zu den installativen, räumlichen Werken von Katrin Plavčak. Für mich ist das Werk auch ein Verweis auf Hutzingers eigene künstlerische Biografie, vielleicht auch eine Art des „Was bisher geschah“ – aber genug der Spekulation, denn darüber können wir ja heute selbst mit ihm sprechen.

Mich beeindruckt jedenfalls das Zusammenspiel der auf den ersten Blick doch so unterschiedlichen Werke von Katrin Plavčak und Christian Hutzinger. Während für beide die Collage als künstlerische Denkform so wichtig ist, erscheint mir, dass auch der Ausstellung ein collagenhafter Moment innewohnt: So kann die Collage zwar Dinge die zusammengehören voneinander trennen – gleichzeitig bringt sie aber auch Neues, scheinbar Verschiedenes zueinander, das sich dann im besten Fall wie hier gegenseitig bedingt und bestärkt.

So bleibt mir jetzt nicht mehr viel übrig, als Sie endlich selbst all die kleinen Snippets dieser Ausstellung entdecken zu lassen und wünsche Ihnen dabei viel Vergnügen.

(C) Sarah Jonas

 

 

Details

Beginn:
7. November 2022 @ 19:00
Ende:
25. November 2022 @ 18:00
Veranstaltungskategorie:

Veranstalter

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galerie(at)maerz.at

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