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Behind the Blue – Dagmar Höss

6. Februar 2024 @ 19:00 - 28. Februar 2024 @ 18:00

Eröffnung am Dienstag, 6. Februar 2024, 19 Uhr

Begrüßung Otto Hainzl (MAERZ)

Zur Ausstellung spricht Verena Hullik, Kuratorin in der Kunstsammlung des Landes OÖ.

Ausstellungsdauer: vom 7. bis 28. Februar

Artist Talk: Donnerstag, 15. Februar 2024, 18.30 Uhr
mit Dagmar Höss spricht Gabriele Spindler, Kunsthistorikerin und Kuratorin des
österreichischen Pavillons der Biennale von Venedig 2024

 

Behind the Blue
Dagmar Höss

Ein Wasserfall aus ozeanblau gefärbtem Stoff strukturiert den Ausstellungsraum. Blau als vielfältige Farbe des Wassers ist das tragende Element der aktuellen Arbeiten von Dagmar Höss. Es verbindet mehreren Serien von Cyanotypien, Fotografien und die Lichtinstallation „Be Water“ – ein von Bruce Lee entliehenes Zitat, das die Anpassungsfähigkeit und die gewaltige Kraft des Wassers umreißt.

Unbestritten haben Körper wieder stärkere Präsenz als Thema und Material in der zeitgenössischen Kunst. Und vor allem in feministisch-künstlerischen Positionen. Die Thematisierung des Körpers, vor allem des weiblichen Körpers als Politikum, spielt(e) in vielen Arbeiten von Künstlerinnen, durch viele Epochen und Kunstbewegungen hinweg, eine zentrale Rolle. Denn Körper ist eines der „großen Themen“ feministischer Dekonstruktion.

In den teils eigens für die Ausstellung entwickelten Werkserien beschäftigt Dagmar Höss vor allem der eigene Körper. Auf den ersten Blick abstrakte Formen, doch bei genauerer Betrachtung sind Rundungen, Falten und Wölbungen als Fragmente eines weiblichen Körpers zu erahnen.
Einige Serien sind als Cyanotypien ausgearbeitet, ein bereits Mitte des 19. Jahrhunderts entwickeltes Edeldruckverfahren. Typisch für diese auch als Blaudruck oder Eisenblaudruck bekannte Technik, sind die cyanblauen Farbtöne. Die Cyanotypie basiert auf der Lichtempfindlichkeit von auf Papier aufgebrachten Eisensalzen, die unter UV-Einstrahlung wasserunlösliche Kristalle bilden.

In intensivem Blau verschmelzen Hintergrund und Person miteinander, tauchen ineinandergreifende, beinahe skulpturale Formen auf, nur um sogleich im diffusen Blau der Cyanotypien zu verschwinden.
Auf einzelnen Arbeiten folgen gestickte oder genähte Linien den Körperformen, die sie wie Wasserlinien umspielen. Handstickerei oder Maschinennähte strukturieren die Bildflächen und schaffen gleichzeitig Verbindungen zueinander.

Dagmar Höss: arbeitet als Künstlerin, Kuratorin und Kunstvermittlerin, wobei sie diese Bereiche projektbezogen auch gerne vermischt. Nach einem Studium an der Kunstuniversität Linz absolvierte sie ein Postgraduate-Programm für Kurator*innen am Institut für Kulturwissenschaften Wien. Ihre meist konzeptionellen Werke reichen von raumbezogenen Installationen und fotografischen Arbeiten, über Siebdrucke und Collagen, bis hin zu Stick-Experimenten. Sie ist unter anderem Mitglied der Künstler*innenvereinigung MAERZ Linz und dem Künstler*innen-Haus Wien. Zuletzt waren ihre Arbeiten auf der Kunstmesse Parallel Vienna, in der Galerie der Kunstsammlung des Landes Oberösterreich und im Nordico Stadtmuseum Linz zu sehen.

Verena Hullik zu

 „Behind the Blue“ – Dagmar Höss

 

Der perfekte Körper – vor allem der weibliche Körper – spielt in der Kunstgeschichte eine zentrale Rolle. Schon im fünften Jahrhundert vor Christus war es verpönt physische Makel oder Disproportionen abzubilden. Der Körper war sowohl Spiegelbild aktueller Ideale als auch Ausdruck erotischer Phantasien aber auch Symbol für Glaubensdarstellungen.

Eines haben diese Darstellungen gemeinsam. Sie sind ein Konstrukt der männlichen Sichtweise auf den weiblichen Körper, denn lange Zeit war es nur Männern vorbehalten den weiblichen Körper darzustellen.

 

Ich verfolge die Arbeiten von Dagmar Höss schon seit einiger Zeit. Nicht nur aus beruflichen Gründen, sondern auch aus persönlichem Interesse.

Beruflich, weil sie mit einigen ihrer Arbeiten in der Kunstsammlung vertreten ist und auch schon einige Aufenthalte in unseren Gastateliers wahrgenommen hat. Persönlich, weil mein Interesse auf ihrer Beschäftigung mit dem weiblichen Blick auf den weiblichen Körper liegt. Mit der Selbst- und Fremdwahrnehmung von eigenen und gesellschaftlichen Zwängen in der zeitgenössischen Kunst.

Dieses Thema gewinnt in einer Zeit in der uns Massenmedien mit einer Flut von Bildern, Meinungen und Wertungen, vor allem über die Sozialen Medien – oft ungefragt – versorgen immer mehr an Bedeutung.

 

In ihren Werkserien der letzten Jahre lässt sich dazu ein schöner Entwicklungsbogen erkennen.

Zunächst hat sie sich mit der Unbarmherzigkeit der Stimme ihrer eigenen Inneren Kritikerin zum Zweck der allgemeinen Selbst-Optimierung beschäftigt.

Darauf folgt eine Serie in der der eigene Körper in den Vordergrund tritt. Die Fotografie, also der eigene Körper an sich wird erstmals direkt bestickt. Er wird durchlöchert, durchlässig gemacht, aufgeweicht. Es ist sozusagen der Beginn einer Versöhnung mit den eigenen Stärken, Schwächen und Makeln.

 

In den aktuellen Serien hier in der Ausstellung „Behind the Blue“, „Fragments“, „Relics“ und den „Floatings“, steht die Zelebrierung des eigenen Körpers wie er nun mal ist im Vordergrund. Durch die diffuse Technik der Cyanotypie verschwimmen die Körpergrenzen. Er löst sich auf, ist kaum mehr als Körper erkennbar.

Die Farbigkeit in Kombination mit der textilen Installation und der Lichtinstallation „Be Water“ – nach einem Zitat von Bruce Lee – unterstreichen das Bestreben mit dem Körper im Fluss zu sein, eins zu sein damit. Sich die Anpassungsfähigkeit aber auch die Kraft des Wassers anzueignen.

Mit den fließenden Linien der Bestickung in der Serie „Fragments“ hebt sie diese Ebene der Transzendenz hervor, während sie in der Serie „Relics“ die sich auflösenden Körperteile scheinbar wieder einzufangen versucht, versucht sie wieder fassbar zu machen.

Die lose hängenden Fäden geben allerdings keine starre Grenze vor und lassen sich auch scheinbar mühelos wieder auflösen oder aber auch weiter spannen zu neuen Formen.

 

Den Abstraktionsschritt führt sie in den jüngsten Serien „Folded“ und „Behind the Glam“ noch einmal weiter. Die Körper werden jetzt vollständig von ihren geschlechtlichen Zuschreibungen gelöst. Ob männlich oder weiblich – oder alles dazwischen – spielt hier keine Rolle mehr. Die Grenzen verschwinden, was zählt ist nur mehr der Körper an sich. Ihr Interesse gilt den Linien und Rundungen, den Falten und Beugungen. Die Körperdetails sind in der Serie „Folded“ noch als Körper erkennbar werden aber durch die Abstrahierung fast schon skulptural.

Das erreicht sie jedoch nicht durch eine künstliche, digitale Bearbeitung der Bilder, sondern durch den einfachen Einsatz von Spiegeln und Licht.

In der Serie “Behind the Glam“ wird nun auch noch die sichtbare Körperlichkeit wegreduziert. Er verschwindet unter einem metallisch glänzenden Textil. Der Fokus liegt nun mehr auf den Falten und Wölbungen im Textil, die der darunterliegende Körper erzeugt.  Diese hinzugefügte Ebene der Materialität lässt ihn fast schon wie eine metallische Plastik erscheinen.

 

 

Charakteristisch für die Arbeiten von Dagmar Höss ist die Beschäftigung mit der Wahrnehmung innerer und äußerer Prozesse. Das Aufspüren und Aufbrechen von Grenzen ist ein wesentlicher Teil in vielen ihrer Serien. Das erreicht sie auch durch den Einsatz und die Kombination unterschiedlicher Techniken und Materialien, die sie projektbezogen wählt und auch immer wieder neu kombiniert.

Ein ebenfalls immer wiederkehrendes Element in ihren Arbeiten sind textile Materialien, deren Verwendung für mich zwei grundlegende Elemente aufweisen:

Einerseits haben sie einen starken Bezug zur Körperlichkeit, denn Textilien umhüllen uns tagtäglich auf vielfältigste Weise – nicht nur als Kleidung. Sie umspielen unsere Körper und passen sich all unseren unterschiedlichen Formen an.

Andererseits hebt der bewusste Einsatz von Materialien und Techniken, die weiblich konnotiert sind, also Textilien und auch die Stickerei, die Vielschichtigkeit in der Beschäftigung mit Körperlichkeit nochmal speziell hervor.

 

Dagmar Höss bewegt sich in Ihren Arbeiten vom kritisch – feministischen Blick auf den eigenen, weiblichen Körper, dem eigenen Selbst hin zur Loslösung von geschlechtlichen Zuschreibungen und Begrifflichkeiten.

Zur Dekonstruktion von Körperlichkeit.

 

Verena Hullik (die Kunstsammlung des Landes OÖ)

Details

Beginn:
6. Februar 2024 @ 19:00
Ende:
28. Februar 2024 @ 18:00
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