MAERZ Literatur:

FüR DIE BEWEGLICHKEIT: Oskar Pastior

Lesung Freitag, 8. April 2005, 19.30 Uhr
von Oskar PASTIOR

Der Veranstaltung folgt als zweiter Teil des Abends um 21:00 die Aufführung der Komposition Songbook von Clemens Gadenstätter.

 

Im Rahmen des von der Künstlervereinigung MAERZ veranstalteten Festivals Für die Beweglichkeit. Erste Linzer Tage der Poesie

 

Den Abschluss der "literarischen" Veranstaltungen dieser "Tage der Poesie" gibt diese Lesung von Oskar Pastior, welcher als zweiter Programmpunkt dieses Abends um 21:00 die Aufführung von Clemens Gadenstätters Songbook folgt (siehe "Programm: Musik: Für die Beweglichkeit: Songbook Gadenstätter").

 

Oskar Pastior legte seinen "erotischen Zuneigungen zur Sprache" (so Ch. Weiss) stets Beschränkungen auf, seien es nun die für die selbst kreierten Formen seiner "Wechselbälger", "Hörichte" oder "Gimpelstifte" erdachten oder die dem Formenkanon entnommenen Regeln der Sestine, der Vilanelle oder des Pantum. Die Regeln sind jedoch nur Ausgangspunkt für das Mitglied der internationalen "Werkstatt für potentielle Literatur" OULIPO, welche neue Text- und Lesemodelle unter Erprobung mathematischer sowie spiel- und zeichentheoretischer Denkmethoden zu entwickeln versucht. Denn: Form sei Inspiration, und sie sei es selbst, die in Bewegung gerate, wenn der Dichter Pastior in Gedanken zu Seite tritt, wie Christina Weiss in ihrer Laudatio zur Verleihung des Erich-Fried-Preises 2002 betont und dort fortsetzt: "Ausrutschen, umfallen und sitzenbleiben! Genau das könnte "einer Struktur" passieren, wenn Oskar Pastior das Ausrutschen nicht selbst als Struktur entdecken würde." Ernest Wichner wiederum verortet Pastiors Arbeit (hier der Celans verwandt) im Spannungsverhältnis von Hermetik und Artistik, von klang- und lautgesteuertem Sprechen und Sinnkonstruktion. Der Dichter spricht von einer "Aufweichung des normativen Denkens", die er seiner Mehrsprachigkeit verdankt und zählt sich zur "Familie der Wörtlichnehmer", die auszeichne, "einander Befremdliches herzustellen".

 

OSKAR PASTIOR, geb. 1927 im siebenbürgischen Hermannstadt, wurde 1945 bis 1949 in ein sowjetisches Arbeitslager deportiert, verbrachte anschließend seine Zeit in Bukarest als Gelegenheitsarbeiter und schließlich beim rumänischen Rundfunk, bevor er 1969 nach Berlin emigrierte. Seit seinem Debüt Vom Sichersten ins Tausendste sind rund 50 Bücher und Tonträger mit Texten und übersetzungen bei Klaus Ramm, Renner, Rainer, Hanser und anderen Verlagen erschienen. In letzter Zeit erschien neben aktuellen neuen Büchern mit transformativen Arbeiten bei Urs Engeler Editor (u. a. Gimpelschneise in die Winterreise-Texte von Wilhelm Müller, 1997; o du roher iasmin, zu Charles Baudelaire, 2002; Mein Chlebnikow, 2003) der Band Vilanella und Pantum (2000) bei Hanser, wo auch eine große Werkausgabe in Arbeit ist (der Band 2 jetzt kann man schreiben was man will und der Band 3 Minze, Minze flaumiran Schpektrum liegen bereits vor). 

 

Konzept: Christian Steinbacher

 

Dank an BKA, Land OÖ, Stadt Linz