MAERZ Literatur/Neue Musik:

linzer notate 4/12

eine literarische Stunde Freitag, 14. September 2012, 18.00 Uhr (ACHTUNG: ungewohnte Beginnzeit!)
mit Roberta DAPUNT, Mila HAUGOVÁ (Lesungen), Anja UTLER, Alma VALLAZZA (übersetzungen); Johann LEUTGEB/Bariton, Heinz-Peter LINSHALM/Klarinette), Christoph HERNDLER (Komposition), Angela FLAM (Text)

Konzept und Moderation: Christian Steinbacher

 

FÄHRTEN AM RANDE: Sowohl Mila Haugová's Schreiben an den Rändern der Erinnerung als auch Robertas Dapunts ländliche Bildwelt lassen die Frage nach dem lyrischen Ich neu aufgreifen. Beide lesen mit ihren übersetzerinnen aus dem Slowakischen (Anja Utler) bzw. Ladinischen (Alma Vallazza). Ein anderer Transfer vollzieht sich an einem Text von Angela Flam, der Christoph Herndler als Basis für eine von dem Bariton Christoph Leutgeb und dem Klarinettisten Heinz-Peter Linshalm realisierte Partitur dient. 

 

Roberta Dapunt, geboren 1970 in Abtei/Südtirol, wo sie heute auf einem Bauernhof lebt und arbeitet, publizierte mehrere Gedichtbände in italienischer Sprache. Mit Nauz erschien 2012 im Folio Verlag ein Zyklus auf Ladinisch, einer phonetisch knappen, in Bezug auf das Rurale aber reichen Sprache, den Alma Vallazza ins Deutsche übertrug. (Alma Vallazza, Jg. 1965, lebt u.a. als übersetzerin und Herausgeberin in Bozen.) Die beiden lesen aus dem von Fotografien Dapunts begleiteten Band. Authentizität und eine Hinwendung zum Kreatürlichen prägen die Gedichte ebenso wie eine eindringliche Bildwelt rund ums Ereignis des Schweineschlachtens.

 

Ein apallisches Syndrom ist eine Art Wach-Koma, eine Bewusstseinsstörung. Die Partitur apallisches syndrom von Christoph Herndler kreuzt einen Weg des Vergessens und einen Weg des Erfassens. Zugrunde liegt ein sein Wortmaterial variierender Text gleichen Titels von Angela Flam. Flam, Jg. 1968, und Herndler, Jg. 1964, sind beide Mitglieder unserer Künstlervereinigung. (Herndler war zuletzt mit der Komposition hm_mh bei unserem Festival Für die Beweglichkeit zu hören.) Das Repertoire des aus Oberösterreich stammenden Baritons Johann Leutgeb, der einen Lehrauftrag an der Musikuniversität Wien für "Atem, Stimme, Bewegung" inne hat, reicht von barocken Opern bis zu Neuer Musik; Heinz-Peter Linshalm, Jg. 1975, arbeitet u.a. mit Petra Stump als arriviertes Klarinettenduo.

 

Mila Haugová, geboren 1942 in Budapest, lebt und arbeitet als Dichterin und übersetzerin in Levice und Bratislava. Auf Slowakisch erschienen bisher 18, in deutscher übersetzung 5 Gedichtbände, zuletzt 2011 in der Edition Korrespondenzen der von Anja Utler mit der Autorin übersetzte Band Schlaflied wilder Tiere mit einer aktuellen Textauswahl. "Alles Gefällige, Liedhafte, Eingängige wird vermieden zugunsten eines unverwechselbaren Poltertons, in den Provokation und Trauer und Trotz und Zärtlichkeit gleichermassen eingeschmolzen sind", schrieb die NZZ dazu. Utler, Jg. 1973 und selbst Autorin, lebt in Regensburg und war in der MAERZ zuletzt mehrfach präsent.

 

(Konzept der Reihe: Christian Steinbacher)

 

TIPP: Am selben Abend findet im afo eine Feier zum 80. Geburtstag des Architekten Franz Riepl statt, bei der auch Friedrich Achleitner liest. Nutzen Sie die Gelegenheit und wechseln Sie anschließend an unsere Veranstaltung im selben Haus den Ort. Näheres siehe: www.afo.at