MAERZ Musik:

Für die Beweglichkeit 2012: Mikrotonale Stimmwelten: Konzert mit Kompositionen von Christoph Herndler und Robin Hayward

Tage der Poesie: Samstag, 14. April 2012, 17.00 Uhr
Musiker/-innen: Ella Vala Ármannsdóttir, Patrick Crossland, Robin Hayward, Gina Mattiello

in der Rubble Master HMH GmbH, Im Südpark 196, Linz-Pichling

 

Am Programm des die Veranstaltungen des Festivals "Für die Beweglichkeit. Tage der Poesie" 2012 beendenden Konzerts unter dem Titel "Mikrotonale Stimmwelten - Sprachenentstehung im musikalischen Transfer" stehen zwei Kompositionen: Grave Mountain Diagram von Robin Hayward und die Uraufführung des Auftragswerks hm/mh für Basstuba, Horn, Posaune und Stimme von Christoph Herndler.

(Dank der Unterstützung des SKE-Fonds der Austro Mechana).

 

Die Besetzung: Zinc & Copper Works = Ella Vala Ármannsdóttir (IS/CH, Horn), Patrick Crossland (US, Posaune), Robin Hayward (GB, Tuba); Gina Mattiello (AT, Stimme, bei Herndler)

 

Siehe auch www.rubblemaster.com/de/tage-der-poesie-2012 

 

Haywards Komposition bezieht sich auf umkehrbare Silben von Johannes Gropius Becanus (1519-1572), der behauptete bewiesen zu haben, dass der flämische Dialekt Brabantisch, da er die höchste Anzahl einsilbiger Wörter besitze, die allererste Sprache sei, die im Paradies gesprochen wurde. Das Projekt ist zweigeteilt: Das Hauptstück Jan van Gorp verwendet Hoquetus-Techniken (wo Töne abwechselnd auf mehrere Stimmen verteilt werden), um aus Silben längere 'Worte' zu bilden, und der Epilog Grave Mountain Diagram Tonmalerei, um den semantischen Sinn umkehrbarer Silben in Musik zu übertragen.

In hm/mh setzt Christoph Herndler über den Rekurs auf Minimaläußerungen dem eine andere Folie einer Entstehung von Sprache entgegen. Die Stimme ist dabei angehalten, sich selbst unterbrechende Bestätigungen und Verneinungen einzubeziehen, und die Laute werden in ihren Erweiterungen zu einer Schicht, die sich mehr und mehr aus den Wörtern herauslöst. Als Textmaterial zieht Herndler Passagen aus Franz Dodels Endlostext Nicht bei Trost heran.

 

Robin Hayward, * 1969 in Brighton, lebt seit 1998 in Berlin: Er entwickelte Spieltechniken für neue Klangwirkungen der Tuba (SIEHE AUCH Eintrag zum 13. 4. 2012). Seine bisherigen Forschungen sind durch seine Solo-CDs Valve Divison und States of Rushing sowie zahlreiche Aufnahmen in Kollaborationen dokumentiert. Kompositionen für andere Instrumente widerspiegeln ebenso einen mediumspezifischen Ansatz. Zur Erforschung der Spielmöglichkeiten von Blechblasinstrumenten gründete er 2005 das variable Ensemble Zinc & Copper Works, dem gegenwärtig unter anderem der 1974 in Mississippi geborene Posaunist Patrick Crossland und die 1980 in Island geborene und derzeit in Basel lebenden Hornistin Ella Vala Ármannsdóttir angehören.

 

Die Formation Zinc & Copper Works hat sich zum Ziel gesetzt, das Profil des Blechbläserensembles im 21. Jahrhundert neu zu definieren. Sie sticht nicht nur durch ihre Pionierleistungen auf dem Gebiet der experimentellen Musik hervor (die Instrumente und ihre Ventilsysteme wurden für eine mikrotonale Spielweise umgebaut), sondern zeichnet sich auch durch musikalische Virtuosität aus. Einer der Arbeitsschwerpunkte besteht auch in einer Anknüpfung an die menschliche Stimme und in der Nachahmung von Vokalen und Tonfall von Sprachen.

 

Christoph Herndler, * 1964 in Oberösterreich, lebt nach Studienaufenthalten in Kalifornien seit 1995 in Gaspoltshofen. 1997 gründete er das Ensemble EIS. Mitglied der Künstlervereinigung MAERZ. Arbeitsschwerpunkte sind graphische und intermediale Partituren. Mehrere Preise, etwa der oberösterreichische Landeskulturpreis 2003 und 2006 der Publicity Preis der SKE. Letzte Aufführungen (u.a.): SUBJEKT/OBJEKT. Setting für Konzertraum (im Rahmen von "Linz09"), abgeschritten, der Kreis (2010), quicksand (2011), Blütenblatt abgeblättert (2011).

 

Gina Mattiello, * in Wien, wo sie als Schauspielerin in experimentellen Theaterproduktionen und als Stimmkünstlerin lebt. Die in einer Kritik im Falter als "verbale Marathonläuferin" bezeichnete Sprechperformerin arbeitete mit KomponistInnen wie etwa Elisabeth Hamik oder Bernhard Lang und war bei Festivals wie etwa Wien Modern oder den Klangspuren Schwaz zu hören. Mit Pia Palme initiierte sie das seit 2009 bestehende e_may Festivals für neue und elektronische Musik.

 

Gesamtprogrammübersicht Für die Beweglichkeit/Tage der Poesie

 

(Festivalkonzept: Christian Steinbacher/Florian Huber)

 

Dank an Land OÖ, Stadt Linz, SKE