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NORDEN

Tea Mäkipää: Link (2009)

MAERZ Bildende Kunst:

Richtung Norden

Ausstellungseröffnung:

Dienstag, 15. Dezember 2009

Künstler/-innen:

Michael Höpfner/A, Stephan Huber/D, Mathias Kessler/A, Kaisu Koivisto/FIN, Oliver Kochta/D und Tellervo Kalleinen/FIN, Jussi Kivi/FIN, Tea Mäkipää/FIN

Ausstellungsdauer: 16. Dezember 2009 – 5. Februar 2010

 

VERLÄNGERT BIS 12. Februar 2010!

 

Mit „Richtung Norden“ realisiert die Künstlervereinigung MAERZ ein weiteres internationales Ausstellungsprojekt der Reihe „outside sources“. 

 

 

Michael Höpfner: Outpost of Progress #2 (2009) © Galerie Hubert Winter

Umgangssprachlich ist mit Norden meist eine Himmelsrichtung gemeint, der Begriff wird zuerst vor allem mit Navigation, Geografie aber auch mit winterlichen klimatischen Verhältnissen assoziiert. Täglicher Überlebenskampf oder Ursprung eines romantischen Lebensgefühls: Der Norden generiert vielfältigste Bilder in uns.

Wir haben unterschiedliche künstlerische Positionen aus Finnland, Deutschland und Österreich eingeladen, um uns dem geheimnisvollen Mythos „Norden“ zu nähern. Gleichzeitig stellt sich auch die Frage, welche Bedeutung und Berechtigung romantische Landschaftsbilder, phantastische Geschichten und Phantasiewesen in unserer Zeit haben können; es entsteht ein Spannungsfeld zwischen Geografie, Projektion und Illusion.

 

Konzept: Beate Rathmayr, Dagmar Höss

 

 

Michael Höpfner

Stephan Huber: Shining (2004) © GalerieSixFriedrichLisaUngar

„Von August bis Oktober 2007 wanderte ich alleine fast 600km am Chang Tang Plateau. Entgegen meiner Erwartungen wurde ich Zeuge einer neuen Kolonialisierung und der Zerstörung einer kürzlich noch einzig von Nomaden bewohnten Hochwüste. Die Serie „Outpost of Progress“ schwankt zwischen Fiktion, Dokumentation und Reflektion über Freiheit und Sehnsucht.“

(Michael Höpfner)

 

Stephan Huber

 

Leuchtboxen von Stephan Huber zeigen ein bescheiden-bürgerliches Wohnhaus, surreal-verloren in einer Eiswüste, die an Caspar David Friedrichs „Eismeer“ erinnert. Die Illusion wird schon auf dem linken Bild gebrochen, auf dem rechten gänzlich zerstört: schneebedeckte Weite ruht auf Platten, der Himmel ist eine aufgehängte Plane, die Natur ist aus Styropor und Gips.

Fotografie im Spannungsfeld von Wirklichkeit und Täuschung verbindet sich hier mit einer das Gesamtwerk prägenden, metaphorischen Reflexion der bayrisch-katholischen Herkunft des Künstlers. Das Haus ist dem Elternhaus nachempfunden, Zeichen von sowohl Geborgenheit wie auch Vereinsamung. Der Titel „Shining“ hingegen zitiert Stanley Kubricks Horrorfilmvision einer in winterlicher Isolierung kollabierenden Kleinfamilie und lässt zugleich den „Schein“ des hier Vorgestellten anklingen. (Museum Moderner Kunst, Stiftung Ludwig, Wien)

Mathias Kessler: Ilulissat 001, Greenland (2007) © Nordico, Museum der Stadt Linz

Mathias Kessler

 

Das Projekt „Island of Time“ setzt meine Arbeiten zum Thema „Landschaft“, die ich seit 2002 verfolge, fort. Es besteht aus zwei Teilen. Der erste war meine Expedition nach IIulissat/ Grönland, der Ort wo der Jakobshaven-Gletscher auf die Wasser produzierenden Rieseneisberge trifft. Ich steckte 2000 Pfund Ausrüstung in das virtuelle Ende der Welt und fotografierte diese ultimative Landschaft, während ich die Ideen von Forschern über die Natur untersuchte.

Heute scheint unberührte Natur kaum mehr als Überlegungen aus Memoiren und der Literatur des 18. Jahrhunderts zu sein. Tatsächlich aber stellt das Konzept der unberührten Natur ein einzigartiges Rätsel in dem Sinn dar, dass Natur nur durch Entdeckung markiert ist und dadurch der Veränderung ausgesetzt und gefährdet ist, sobald sie entdeckt ist. Einfach gesagt, der Entdecker findet ein Stück Natur, beansprucht es und dann folgt sehr bald eine Kombination aus Tourismus, wirtschaftlicher Entwicklung und Ernte/Abbau der natürlichen Ressourcen. Durch die Inszenierung von unberührter Natur in meinen Fotografien enthülle ich nicht nur die menschliche Intervention, sondern vertiefe mich auch in die Idee der Natur und wie sie von Menschen wahrgenommen wird. (Mathias Kessler)

Oliver Kochta, Tellervo Kalleinen: Dreamland - 20 dreams about the President (2008)

Tea Mäkipää

 

“LINK ist ein Video und eine Serie von Fotografien. Link ist mein Halb-Schimpansen-Sohn. Wir leben gemeinsam auf einer kleinen Insel in Finnland. Die Menschheit hat als Spezies versagt, weil wir langfristig gesehen nicht in unsere Umwelt passen, wie andere Spezien schon. Deshalb ist es die beste Lösung die Evolution zurückzugehen, zu einem ökologischeren Ton der Menschheit." (Tea Mäkipää)

 

Oliver Kochta/Tellervo Kalleinen

 

"Dreamland" fragte Menschen, die in Finnlad leben, ob sie Träume hatten, in denen die  finnischen  Präsidentin vorgekommen ist. Auf diese offene Ausschreibung antworteten überraschenderweise 85 Personen. Aus den eingelangten Einreichungen wurde eine Auswahl von 20 Träumen dramatisiert und gemeinsam mit SchauspielerInnen und Amateuren nachgestellt.

Die Traumsequenzen reichen von einer Notoperation des Präsidentinengehirns in einem öffentlichen Zugabteil bis zu einem erholsamen Saunaabend mit der Präsidentin, an dem über geräucherten Fisch geplaudert wird.

Jussi Kivi: Cave 1245 - the theatre (2006)

Jussi Kivi

 

“Was mich am meisten interessiert, ist die Landschaft,” sagt der Künstler Jussi Kivi. Er macht auch Wanderungen um sie zu erleben. Es muss keine unberührte, nationalromantische Natur sein; es kann Grenzland zwischen Kultur und Natur sein – sogar ein Mistkübel.  

Kivi macht auf seinen Expeditionen Notizen: er schreibt, malt und macht Landkarten, Fotografien und Videos. Manche davon werden Kunstwerke, z.B. große Fotodrucke. Kivi vergleicht sie mit alter Genremalerei. Obwohl er die Ästhetik sucht, weisen seine Arbeiten ein Bewusstsein von zeitgenössischer Kunst auf: eine Distanz, eine Ironie und eine Politizität, die auch in Kivis Buch Kaunotaiteellinen eräretkeilyopas (Wanderführer für Kunstliebhaber, 2004) evident sind. (Otso Kantokorpi)

Kaiso Koivisto: Model Airplane (2001)

Kaisu Koivisto

 

„Im Herzen meiner Arbeit liegt die Erforschung von Gegensätzlichem, indem räumliche Beziehungen durch Installationen generiert werden und Objekte empirischer Natur über Fotografie, Zeichnungen und Video.

Meine Installationen und Objekte sind physisch und sehr körperlich. Ich verwende Objekte und Bilder, auf die wir im täglichen Leben stoßen, in dieser Ausstellung beispielsweise werden hölzerne Schuhsohlen mit Stahl kombiniert. Ein altes Flugzeugmodell ist in Model Airplane (2001) mit einem Elchgeweih verbunden – das Flugzeug ist ein mächtiges Symbol für unsere Zeit, wohingegen das Geweih in unterschiedlichen Ländern mit verschiedensten

Bedeutungen verbunden wird.  Aufbereiteten oder weggeworfenen organischen Materialien wie Leder, Tierknochen und Geweihen haften die Spuren von Gebrauch und Abnutzung an: Kratzer, Risse und Flecken. Die Prozesse von Wachstum und Verfall werden so sichtbar. Ich bin interessiert an ambivalenter Ästhetik, der Gleichzeitigkeit von Attraktivität und Wider-wärtigkeit, dem Synthetischen und dem Organischen.

Die Beziehung zwischen menschlichen Wesen und der Natur in all ihren Formen, vor allem kultivierte und gebändigte Natur, der wir in Städten begegnen, ist oft ein Ausgangspunkt für mich. Die Leatherman-Serie (2009) beinhaltet menschliche und tierische Elemente. Die kleinen menschenartigen Figuren starren den Betrachter mit ihren Glassaugen an. Ich wurde durch „Helden“ der Popkultur wie Batman, aber auch durch Schnappschüsse und Menschendarstellungen der alten Malerei inspiriert.” (Kaisu Koivisto)

 

 

Biografien

 

Michael Höpfner, 1972 in Krems/Donau geboren, lebt und arbeitet in Wien und Berlin.

Stephan Huber, 1952 in Lindenberg/Allgäu geboren, lebt und arbeitet in München und im Ostallgäu.

Mathias Kessler, 1968 in Kempten geboren, lebt und arbeitet in New York.

Tellervo Kalleinen, 1975 in Lohja/Finnland geboren, lebt und arbeitet in Helsinki.

Kaisu Koivisto, 1962 geboren, lebt und arbeitet in Helsinki.

Oliver Kochta, 1971 in Dresden geboren, lebt und arbeitet in Helsinki.

Jussi Kivi, 1959 in Helsinki geboren, lebt und arbeitet in Helsinki.

Tea Mäkipää, 1973 in Lahti/Finnland geboren, lebt und arbeitet in Weimar und Mäntyharju/Finnland.